Zur Geschichte der Forsthube Affalterbach/Ochenbruck

Urkundliche Nachrichten über den Nürnberger Reichswald beginnen mit dem 13. Jahrhundert. Das große Waldgebiet war in Oberforstmeister-Ämter unterteilt, die von den Kaisern zu erblichen Reichslehen vergeben wurden. Die Waldgebiete waren ihrerseits unterteilt in Unterbezirke (Forsthute). Für die Aufsicht und Verwaltung dieser Forsthute waren Förster aufgestellt, die ebenfalls erbberechtigt waren und deshalb Erbförster genannt wurden. Sie hatten ihren Sitz in sogenannten Forsthuben. Dies waren bäuerliche Güter, die das zugeteilte Revier des Waldes bewirtschafteten und pflegten. Ihnen stand dafür das Recht zu, das benötigte Brenn- und Bauholz, nebst der zur Ökonomie erforderlichen Streu, unentgeltlich aus dem Reichswald zu entnehmen. Grundherrliche Erbförster konnten auch Stockförster benennen, die in der Forsthube die Waldarbeit mit Gehilfen erledigten.

1427 erlangte die Stadt Nürnberg die ausschließliche Verwaltung und den alleinigen, lehensweisen Besitz des Lorenzer und Sebalder Waldes, samt Forsthuben, Zeidlern, Forst- und Zeidelgerichten. Für beide Wälder war jeweils ein Waldamtmann zuständig, welcher aus dem Patrizierstand der Reichsstadt gewählt wurde und dem die Forsthuben unterstanden. Beide Wälder waren in jeweils 6 Forsthute aufgeteilt. Im Lorenzer Wald war eine davon die Forsthut Feucht.

Zu ihr gehörte die Forsthube Affalterbach, nahe der bekannten Wallfahrtskirche, in der Kappelflur, gegenüber der Fröschau, auf der linken Seite der Schwarzach. Der Bauernhof dieser Hube bestand im Wesentlichen aus einem großen und zwei kleineren Häusern und einem großen Stadel. Die dazu gehörigen Äcker und Wiesen lagen in Schwarzachtal zwischen Ochenbruck und Affalterbach. Die Wälder der Hube lagen auf der Anhöhe in Richtung Mimberg und zum Teil in dem Revier Paßloh oberhalb der Fröschau. Anscheinend ist ein kleiner Bach von der Mimberger Anhöhe zum Ort geflossen, wovon sich der Name Affalterbach [Apfel+Bach] ableiten lässt. Heute kann man den Lauf eines Rinnsals verfolgen das von der Quelle durch einen kleinen Forellenteich zu einem größeren Weiher herabfließt. Hier lag wahrscheinlich der frühere “Kappelweiher“.

Die Forsthube wurde in den nachfolgenden Jahrzehnten in Teilen vererbt und gekauft/ verkauft. Von 1631 bis 1635 gelingt es einem Hanns Eiser, Bürger der Stadt Nürnberg, die drei Teile des Seydenschuher’schen Erbes in seinen Besitz zu bringen. Damit war die ganze Forsthube zu Ochenbruck, samt der Mühl und Sägemühl, wie auch dem Bauernhof wieder unter ein “Haupt“ gekommen und wurde ferner nicht mehr geteilt. Das Lehen “Forsthube Ochenbruck“ ging schließlich 1714 an das Nürnberger Geschlecht der Scheurl, den Besitzern des Ritterguts mit Schloss in Schwarzenbruck.

1761 baut Joachim Wilhelm Scheurl in Ochenbruck ein neues Forsthaus ganz aus Stein, mit Ziegeldeckung. Das alte Forsthaus, das an gleicher Stelle stand, war ein strohgedecktes Holzhaus, das baufällig geworden war. Das Sandsteinhaus steht heute noch in der ursprünglichen Form, renoviert, mit gedämmter Außenfassade (Zum Schwarzachtal, Nr. 8). Es hatte früher die Haus-Nr. 4. 1808 verordnet die Bayrische Regierung per Dekret die Abschaffung der Lehensabhängigkeit. Von Scheurl betreibt deshalb schon ab 1809 die Ablösung des Zinslehens “Forsthube Ochenbruck“.

1817 versteigert er das nicht mehr benötigte Forsthaus für 1600 Gulden. Der neue Besitzer, Johann Wolfgang Schmidt, richtet eine Bäckerei ein. 1841 erwirbt es die Gemeinde für 1945 Gulden und zusätzlich 175 Gulden für die darauf liegenden grundherrlichen Rechte, zur Verwendung als Armenhaus (nun in Privatbesitz).
Der Nürnberger Reichswald ist um die Jahrhundertwende (1800) in einem sehr schlechten Zustand, durch unsachgemäße Nutzung (unkontrollierte Holzentnahme, übermäßiges Streurechen, Überweidung). Der Staat übernimmt 1806 die Verwaltung der Forste durch ausgebildete Beamte. Unbrauchbare Forstverwalter werden entlassen. Die Forstbezirke werden neu geordnet. Das Revier der ehemaligen Forsthube Ochenbruck wird Feucht und Altdorf zugeordnet.

G. Ziegler

Archivarische Hinweise:

  1. Beschreibung des Reichswaldes bei Nürnberg in geschichtlicher und wirtschaftlicher Beziehung, München 1853, Bayrische Staatsbibliothek, 320 m
  2. Geschichte des ehemaligen Weilers Affalterbach, Franz Freiherr von Soden, 1841, Bayrisches Staatsarchiv München
  3. Fritz Schnelbögl: 975 Jahre Schwarzenbruck, Streifzug durch die Geschichte, Mai 2000
  4. Staatarchiv Nürnberg, Dokumente zur Forthube Ochenbruck im Bestand Waldamt Lorenti, Bestell-Nr. I-389

Die Diakonie Rummelsberg hatte an dieser Stelle 1935 ein Schwimmbad errichtet, das nach 1945 aufgegeben wurde. Reste der Mauern des Bassins kann man noch sehen. Die Existenz des Weilers Affalterbach lässt sich bis 1349 zurückverfolgen, denn eine Urkunde aus diesem Jahr bestätigt, dass ein Markhard Seitz die Forsthube an die Stadt Nürnberg verpfändet hat. Freiherr von Soden hat sich in der Zeit der Romantik dem Schicksal des Weilers Affalterbach und der Wallfahrtskapelle intensiv gewidmet und die tragische Geschichte 1841 in einem Buch festgehalten. Vieles bleibt jedoch unbeantwortet, da bereits zu dieser Zeit kaum noch Spuren von Gebäuden zu finden waren. Die Rekonstruktion der Geschichte der Forsthube basiert deshalb auf den wenigen verfügbaren Dokumenten.

Genaueres wird bekannt von der Familie Seidenschuher, die zu Ochenbruck gesessen und die Forsthube bereits im 15. Jahrhundert in Besitz hatte. Das bestätigt die Urkunde von 1487, mit der sie vom Kaiser Friedrich III. die Genehmigung erhielt, eine Schenkstatt in Ochenbruck zu errichten. Um 1500 vererben sie dann ihren Besitz in drei Teilen: zwei halbe Forsthuben und die Mühle mit dem Bauerhof in Ochenbruck. Eine Hälfte der Forsthube erlangte später Conz Wild aus Schwarzenbruck, durch Heirat einer Seydenschuher-Tochter.

Der Sitz der Forsthube wurde schon Anfang des 16. Jahrhunderts nach Ochenbruck (damals Aichenpruck, auch Hohenbruck genannt) verlegt, wahrscheinlich wegen der unsicheren Lage des Ortes Affalterbach an der umstrittenen Grenze zwischen dem Nürnberger und dem markgräflichenGebiet (siehe Streit um den Kirchweihschutz). Dies bestätigt die Bestandsaufnahme von 1531, die der Besitzer Paulus Seydenschuher für seine Hälfte der Forsthube erstellen musste, auf Anforderung eines Erb-Rats der Stadt Nürnberg. Sie berichtet über einen Hof mit Haus und Stadel in Ochenbruck, nennt aber bei Affalterbach nur noch eine Hofraith (ein Grundstück), darauf ein Haus und ein Stadel “gestanden ist“. Das bedeutet, dass wohl bereits zu dieser Zeit keine Gebäude mehr oder vielleicht nur noch Ruinen der Forsthube in Affalterbach standen. Stattdessen bewirtschafteten nun zwei Bauernhöfe in Ochenbruck die Felder, Wiesen und Forste auf der Kappel. Dies bestätigt auch die etwa zeitgleiche Übersicht über die Güter der zweiten (Wild’schen) Hälfte der Forsthube. Seit dieser Zeit haben zwei Stockförster in Ochenbruck gewohnt, einer im Forsthübner-Haus, dem späteren Forsthaus und ein zweiter in einem anderen, später abgebrannten und nicht mehr aufgebautem Haus. Der letztgenannte Stockförster wurde deshalb wahrscheinlich 1549 nach Altenfurth transferiert.  Für die Vermutung, dass die Forsthube Affalterbach im 2. Markgräflichen Krieg 1552 oder sogar erst im Dreißigjährigen Krieg 1618-48 abgebrannt wurde, gibt es in den Quellen keinen Hinweis.